Dienstag, der 29. Januar 2008


 


Ungewöhnliches Klangexperiment


Harduin Boeven und Gunther Antensteiner beeindruckten in der Nicolaikirche mit einem Konzert an drei Orgeln


LIPPSTADT   Vier Hände und vier Füße, 122 Register, mehr als 4000 Pfeifen, acht Manuale, drei Pedale, vier Schwellwerke und zusätzliche 1800 Watt, präzise beherrscht von zwei Organisten - imposante Zahlen eines Klangexperiments, das in dieser Form erstmalig in der Lippstädter Nicolaikirche vorgestellt wurde. Das angekündigte Thema „Konzert an zwei Orgeln“ stimmte dabei nicht, denn es waren sogar drei Orgeln: Die kleine Orgel in der hinteren Kreuzkapelle der Nicolaikirche existiert seit 42 Jahren. Sie wurde jetzt erstmalig konzertant mit eingebunden - ein absolutes Novum in der Geschichte der Kirchenmusik an St.Nicolai.Für sein ungewöhnliches Klangexperiment hatte Kantor Harduin Boeven als Mitstreiter Kantor Gunther Antensteiner aus Stolberg eingeladen. In wechselnden Positionen, mal oben an der großen Pfeifenorgel, mal unten an der kleinen Orgel in der Kreuzkapelle und an der im hinteren Kirchenschiff aufgebauten modernen Digital-Orgel, widmeten sich beide Organisten ausgewählten Werken aus der deutschen und italienischen Klassik - mal einzeln im Dialog an zwei Orgeln, dann wieder gemeinsam vierhändig an einem Spieltisch.
Passend zu Mozarts Geburtstag eröffneten beide Organisten das Konzert gemeinsam an der Pfeifenorgel mit Mozarts vierhändig gespielter F-Moll-Fantasie. Mit resolutem Manualanschlag erklangen vollgriffige Akkorde, bevor die Fuge einsetzte und musikalische Ruhe einbrachte. Verspielte Dialoge zwischen Pfeifen-Orgel und Digital-Instrument ergaben sich bei den italienischer Klassik-Vertretern Luigi Cherubini, Ferdinando Bonazzi und Muzio Clementi: Mal füllten kräftige Akkorde den Kirchenraum, mal träumerisch-elegische Manual-Poesie, umrahmt von flüssigen Laufpassagen und lebhaften Klangdiskussionen zwischen dem Traditions-Instrument auf der Empore und der modernen Technik unten im Kirchenschiff. Bei den klassisch verpackten Improvisationen über ein österreichisches Kirchenlied weihte Gastorganist Gunther Antensteiner die Krypta-Orgel konzertant ein und dialogisierte mit Harduin Boeven an der Digitalorgel.
Bewusst stellten beide Interpreten eine besondere musikalische Kostbarkeit an den Schluss ihres Konzerts: Als Premiere erklang in einer von den beiden Organisten eigens für dieses Konzert erstellten Fassung Joseph Haydns Symphonie Nr, 97 C-Dur als viersätziges Mammutwerk, vierhändig gespielt auf der Digitalorgel.
Hier konnte das Publikum nicht nur hautnah den Klang erleben, sondern auch staunend die beiden Organisten bei ihrer Arbeit beobachten. Klar, dass der lang anhaltende Applaus eine Zugabe erforderte: Die Künstler entschieden sich für eine vierhändig gespielte Improvisation über das bekannte Gute-Nacht-Lied.


LB

 


Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=yX-307900&RESSORT=KULTUR


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