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LIPPSTADT Vier Hände und vier
Füße, 122 Register, mehr als 4000 Pfeifen, acht Manuale, drei Pedale, vier
Schwellwerke und zusätzliche 1800 Watt, präzise beherrscht von zwei
Organisten - imposante Zahlen eines Klangexperiments, das in dieser Form
erstmalig in der Lippstädter Nicolaikirche vorgestellt wurde. Das
angekündigte Thema „Konzert an zwei Orgeln“ stimmte dabei nicht, denn es
waren sogar drei Orgeln: Die kleine Orgel in der hinteren Kreuzkapelle der
Nicolaikirche existiert seit 42 Jahren. Sie wurde jetzt erstmalig
konzertant mit eingebunden - ein absolutes Novum in der Geschichte der
Kirchenmusik an St.Nicolai.Für sein ungewöhnliches Klangexperiment hatte
Kantor Harduin Boeven als Mitstreiter Kantor Gunther Antensteiner aus
Stolberg eingeladen. In wechselnden Positionen, mal oben an der großen
Pfeifenorgel, mal unten an der kleinen Orgel in der Kreuzkapelle und an
der im hinteren Kirchenschiff aufgebauten modernen Digital-Orgel, widmeten
sich beide Organisten ausgewählten Werken aus der deutschen und
italienischen Klassik - mal einzeln im Dialog an zwei Orgeln, dann wieder
gemeinsam vierhändig an einem Spieltisch. Passend zu Mozarts Geburtstag
eröffneten beide Organisten das Konzert gemeinsam an der Pfeifenorgel mit
Mozarts vierhändig gespielter F-Moll-Fantasie. Mit resolutem
Manualanschlag erklangen vollgriffige Akkorde, bevor die Fuge einsetzte
und musikalische Ruhe einbrachte. Verspielte Dialoge zwischen
Pfeifen-Orgel und Digital-Instrument ergaben sich bei den italienischer
Klassik-Vertretern Luigi Cherubini, Ferdinando Bonazzi und Muzio Clementi:
Mal füllten kräftige Akkorde den Kirchenraum, mal träumerisch-elegische
Manual-Poesie, umrahmt von flüssigen Laufpassagen und lebhaften
Klangdiskussionen zwischen dem Traditions-Instrument auf der Empore und
der modernen Technik unten im Kirchenschiff. Bei den klassisch verpackten
Improvisationen über ein österreichisches Kirchenlied weihte Gastorganist
Gunther Antensteiner die Krypta-Orgel konzertant ein und dialogisierte mit
Harduin Boeven an der Digitalorgel. Bewusst stellten beide Interpreten
eine besondere musikalische Kostbarkeit an den Schluss ihres Konzerts: Als
Premiere erklang in einer von den beiden Organisten eigens für dieses
Konzert erstellten Fassung Joseph Haydns Symphonie Nr, 97 C-Dur als
viersätziges Mammutwerk, vierhändig gespielt auf der Digitalorgel. Hier
konnte das Publikum nicht nur hautnah den Klang erleben, sondern auch
staunend die beiden Organisten bei ihrer Arbeit beobachten. Klar, dass der
lang anhaltende Applaus eine Zugabe erforderte: Die Künstler entschieden
sich für eine vierhändig gespielte Improvisation über das bekannte
Gute-Nacht-Lied.
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