Dienstag, der 29. April 2008


 


Eindrucksvolle Demonstration


Der Kammerchor Lippstadt feierte sein zehnjähriges Bestehen mit einem festlichen Konzert. Publikum in der Nicolaikirche bedankte sich mit Bravo-Rufen und Standing Ovations


Der von Harduin Boeven geleitete Lippstädter Kammerchor feierte in St. Nicolai sein zehnjährigen Bestehen.    Foto: BrodeLIPPSTADT   Eine prächtige Geburtstagsfeier: In besonders festlicher Prägung zeigte sich das stilistisch breit gefächerte Konzertprogramm, mit dem der Kammerchor Lippstadt nicht nur sein zehnjähriges Bestehen feierte, sondern mit einer eindrucksvollen Chordemonstration zugleich auch einen repräsentativen Überblick über den derzeitigen Leistungsstand gewährte.Der künstlerische Leiter Harduin Boeven hatte sich für das Festkonzert in St. Nicolai besonders anspruchsvolle Chorliteratur ausgesucht. Dieses Wagnis wurde von Erfolg gekrönt: Mit Bravour meisterte der Chor die reichlich vorhandenen tückischen Hürden. Sie bedeuteten kein Problem für den hervorragend geschulten und stimmlich gut disponierten Chor mit seinem durchweg jungen Stimmenpotential. Die Tenöre könnten freilich noch etwas Verstärkung gebrauchen, um der zuweilen auftretenden Sopran-Dominanz Paroli bieten zu können.
Es ist schon beachtlich, was der bereits 1996 gegründete und seit 1998 als offizieller Verein agierende junge Chor musikalisch erreicht hat. Die Stimmen-Disposition erlaubt dank bemerkenswerter Chordisziplin auch Interpretationen größerer Chorwerke bis hin zu sechs- bis achtstimmigen A-cappella-Motetten sowie in doppelchöriger Aufstellung, wie das Geburtstagskonzert bewies. Dazu gehörten Johann Pachelbels doppelchörige Motette „Der Herr ist König“ mit seinen bezaubernden Echo-Effekten ebenso wie die kraftvoll inszenierte sechsstimmige Motette „Unser Wandel ist im Himmel“ von Heinrich Schütz.
In fröhlicher Gangart erklang der Jubelgesang „Exsultate Justi“ von Ludovico da Viadana. Ein eindrucksvoller Klangkontrast wurde mit dem Sprung ins 19.Jahrhundert hergestellt: Stilistisch anders präsentierten sich Josef Rheinbergers „Tribulationes“ mit obligater Orgelbegleitung sowie die Motette „Der Herr erhöre dich“ in feinster A-cappella-Manier.
In wohldosierter Steigerung bis hin zum strahlenden Forte erklangen Henry Purcells achtstimmiges Gebet „Hear my prayer“ sowie das majestätische Gloria-Anthem „I was glad“ aus der Krönungsmesse für James II.
Nach Harduin Boevens Orgel-Intermezzo „Suite Gothique“ von L
éon Boëllmann mit einem wirkungsvollen Dialog zwischen meditativer Betrachtung und virtuos gestalteten Toccata-Kaskaden startete der Kammerchor zu seinem grandiosen Finale, das mit Samuel Sebastian Wesleys umfangreichen Opus „Ascribe unto the Lord“ im klanglich zwingenden Dialog
zwischen Frauen- und Männerstimmen sowie Gesamtchor eingeleitet wurde.
Doch der Kammerchor setzte mit C
ésar Francks Vertonung 150. Psalms noch einen drauf: Die überaus farbige Harmonik kam mit ihren weiten melodischen Bögen wie ein prachtvolles vokales Glockengeläut zu prächtiger Entfaltung. Zu der Fülle der herrlichen Qualitäts-Attribute des Chores geh_CHAR
_5_ren effektvolle Deklamation in wohldosierter Kalkulation der Tempi und Tonstärke, überaus exakte Intonationen und Übergänge bis hin zum höchst wirkungsvollen Ausklingen der Endkonsonanten.
Zu den Superlativen des Festkonzertes gehörte auch die Reaktion des Publikums: Spontane Standing Ovations bis hin zu Bravo-Rufen honorierten die brillante Chorleistung, die man sich in dieser Form in jeder bedeutenden Kathedrale oder Basilika des Kontinents vorstellen könnte.


LB

 


Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=yt-321044&RESSORT=KULTUR


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