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LIPPSTADT
Eine
prächtige Geburtstagsfeier: In besonders festlicher Prägung zeigte sich
das stilistisch breit gefächerte Konzertprogramm, mit dem der Kammerchor
Lippstadt nicht nur sein zehnjähriges Bestehen feierte, sondern mit einer
eindrucksvollen Chordemonstration zugleich auch einen repräsentativen
Überblick über den derzeitigen Leistungsstand gewährte.Der künstlerische
Leiter Harduin Boeven hatte sich für das Festkonzert in St. Nicolai
besonders anspruchsvolle Chorliteratur ausgesucht. Dieses Wagnis wurde von
Erfolg gekrönt: Mit Bravour meisterte der Chor die reichlich vorhandenen
tückischen Hürden. Sie bedeuteten kein Problem für den hervorragend
geschulten und stimmlich gut disponierten Chor mit seinem durchweg jungen
Stimmenpotential. Die Tenöre könnten freilich noch etwas Verstärkung
gebrauchen, um der zuweilen auftretenden Sopran-Dominanz Paroli bieten zu
können. Es ist schon beachtlich, was der bereits 1996 gegründete und
seit 1998 als offizieller Verein agierende junge Chor musikalisch erreicht
hat. Die Stimmen-Disposition erlaubt dank bemerkenswerter Chordisziplin
auch Interpretationen größerer Chorwerke bis hin zu sechs- bis
achtstimmigen A-cappella-Motetten sowie in doppelchöriger Aufstellung, wie
das Geburtstagskonzert bewies. Dazu gehörten Johann Pachelbels
doppelchörige Motette „Der Herr ist König“ mit seinen bezaubernden
Echo-Effekten ebenso wie die kraftvoll inszenierte sechsstimmige Motette
„Unser Wandel ist im Himmel“ von Heinrich Schütz. In fröhlicher Gangart
erklang der Jubelgesang „Exsultate Justi“ von Ludovico da Viadana. Ein
eindrucksvoller Klangkontrast wurde mit dem Sprung ins 19.Jahrhundert
hergestellt: Stilistisch anders präsentierten sich Josef Rheinbergers
„Tribulationes“ mit obligater Orgelbegleitung sowie die Motette „Der Herr
erhöre dich“ in feinster A-cappella-Manier. In wohldosierter Steigerung
bis hin zum strahlenden Forte erklangen Henry Purcells achtstimmiges Gebet
„Hear my prayer“ sowie das majestätische Gloria-Anthem „I was glad“ aus
der Krönungsmesse für James II. Nach Harduin Boevens Orgel-Intermezzo
„Suite Gothique“ von L éon Boëllmann mit einem wirkungsvollen Dialog
zwischen meditativer Betrachtung und virtuos gestalteten Toccata-Kaskaden
startete der Kammerchor zu seinem grandiosen Finale, das mit Samuel
Sebastian Wesleys umfangreichen Opus „Ascribe unto the Lord“ im klanglich
zwingenden Dialog zwischen Frauen- und Männerstimmen sowie Gesamtchor
eingeleitet wurde. Doch der Kammerchor setzte mit C ésar Francks
Vertonung 150. Psalms noch einen drauf: Die überaus farbige Harmonik kam
mit ihren weiten melodischen Bögen wie ein prachtvolles vokales
Glockengeläut zu prächtiger Entfaltung. Zu der Fülle der herrlichen
Qualitäts-Attribute des Chores geh_CHAR _5_ren effektvolle Deklamation
in wohldosierter Kalkulation der Tempi und Tonstärke, überaus exakte
Intonationen und Übergänge bis hin zum höchst wirkungsvollen Ausklingen
der Endkonsonanten. Zu den Superlativen des Festkonzertes gehörte auch
die Reaktion des Publikums: Spontane Standing Ovations bis hin zu
Bravo-Rufen honorierten die brillante Chorleistung, die man sich in dieser
Form in jeder bedeutenden Kathedrale oder Basilika des Kontinents
vorstellen könnte.
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