Dienstag, der 26. August 2008


„Ein Instrument unserer Zeit“

Der Organist Christoph Niggemeier eröffnet die „Musik an St. Nicolai“

Christoph Niggemeier eröffnete mit einem Orgelkonzert die neue Reihe der „Musik in St. Nicolai“.    Foto: HeierLIPPSTADT   „Das ist eben ein Instrument unserer Zeit“, sagt Christoph Niggemeier im Nachspann zu seinem Konzert am Freitagabend in der Musikreihe an St. Nicolai. Er meint die E-Orgel, die vor dem Altarraum aufgebaut ist und die er an diesem Abend auf Einladung seines Kollegen und Gastgebers Harduin Boeven im Wechsel mit der großen Pfeifenorgel bespielt.„Gegen den Klang sperren sich vielleicht noch einige, aber diese Orgel ist sehr vielseitig, und das nicht nur wegen ihrer Registrierung. Sie ist auch mobil.“ Ihre Vielseitigkeit beweist der gebürtige Geseker, der unter anderem als Kirchenmusiker in Bayern tätig ist, etwa in Georg Böhms „Jesu, du bist allzu schöne“.
In 14 Variationen werden die beachtlichen Spiel- und Klangmöglichkeiten des Instruments deutlich. Wie ein Glockenspiel klingen, das kann die Pfeifenorgel nicht. Von Holztönen in verspielten Klangbildern bis zum Tutti zieht Niggemeier die Register einzeln und in kammermusikalischen Kombinationen.
Gymnastische Fußarbeit bekommen die Zuhörer beim Präludium C-Dur mit dem Pedalsolo zu sehen. Niggemeier spielt Werke des norddeutschen Barocks, von Böhm, von Nicolaus Bruhns, Dietrich Buxtehude und Max Reger.
Bedenkt man, dass die E-Orgel keinen derartigen Resonanzkörper wie die Pfeifenorgel besitzt, kommt sie ihrer großen Schwester klanglich ziemlich nah. Vibrierende, fast schon wummernde Bässe sind auch hier zu hören.
Für Bruhns Präludium e-Moll wählt der Organist die große Orgel. Das Stück ist in sich rhythmisch, dynamisch und melodisch sehr wechselhaft. Einzelne Melodiestränge treten aus einem Klangwirrwarr hervor. Vielleicht ist hier das doch etwas gewohntere, (vermeintlich) klarere und vollere Klangbild der Pfeifenorgel ein wohltuender Kontrapunkt.
Buxtehudes Passacaglia d-Moll ist sehr viel geordneter. Trotz des strengen formalen Aufbaus aber zeigt Buxtehude kompositorische Verspieltheit, wobei wellenartige Bewegungen und die stoische Punktion einer Note kontrastreiche Gegensätze bilden. Niggemeier spielt das locker weg. Er beweist ein souveränes Spiel, Finger- und Fußfertigkeit sowie ausgereifte Techniken.
Die Auswahl eher ungewöhnlicher Stücke zeigt die experimentelle Intention des Abends. In Buxtehudes Präludium fis-Moll sind es nicht nur die Tonart, sondern auch dynamische Kontraste, die in zum Teil wasserfallartigen Läufen in eine rasante Toccata münden.
Der um 1900 von Max Reger komponierte Kanon E-Dur ist ein sehr kurzer, klangmalerisch verspielter Ausflug in die Romantik. Das Gloria bildet den gewaltigen Abschluss, dem eine leichtfüßige Zugabe folgt.
Ein Konzert, das das Orgelspiel in neuem Gewand zeigt.

Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=Pr-337372&RESSORT=KULTUR

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