Mittwoch, der 12. November 2008 | |
Mystische Klänge | |
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Die Schola Gregoriana präsentierte mittelalterliche Gesänge im Turmzimmer der Nicolaikirche | |
LIPPSTADT Eine Premiere der
besonderen Art: Erstmalig in der Geschichte der Kirchenmusik an St.
Nicolai wurde ein Konzert im Kirchturm veranstaltet. Der öffentlich sonst
nicht zugängliche romanische Wehrturm aus dem 12. Jahrhundert gilt als
ältestes Gebäude der Stadt und verfügt über ein gemütliches Turmzimmer,
das immerhin groß genug für Kammerkonzerte in kleinerem Rahmen ist - wenn
man einmal die steilen Stufen im Turmaufgang bewältigt hat.Schon die
Ankündigung dieses Novums machte neugierig: Das Turmzimmer war bis auf den
letzten Platz besetzt. Nichts ging mehr, als die Schola Gregoriana an St.
Nicolai ihr meditatives Konzertexperiment an dieser altehrwürdigen Stätte
präsentierte. Diese Gesangsgruppe setzt sich aus Männern des Chores an St.
Nicolai und des Kammerchors Lippstadt zusammen, die die Tradition des
alten lateinischen Messgesangs wiederbeleben und pflegen möchten.Nun ist dieser Musikstil aus der Zeit der Gregorianik und des Mittelalters gewiss nicht jedermanns Sache. So war es schon etwas mutig, daraus gleich ein abendfüllendes Konzertprogramm zusammenzustellen. Doch irgendwie passte der mystische Charakter der ausgewählten Melodien zu der intim ausgeleuchteten historischen Aufführungsstätte - wobei die Musik teilweise sogar bis zu 400 Jahre älter war als der Kirchturm. Eine eigenartige Faszination geht von dieser Musik aus, die in krassem Gegensatz zur Musik unserer Zeit steht und mit der die Mönche des Stifts Heiligenkreuz im Wienerwald die europäischen Charts gestürmt haben. Auch das Lippstädter Konzertwagnis fand seine Liebhaber, als das Quintett mit Klaus Becker, Johannes Börgers, Harduin Boeven, Johannes von Fürstenberg und Ralf Stallein die Musik und deren Entstehungszeit mit repräsentativen Gesangsbeispielen, Erläuterungen und manchen historischen Anekdötchen seinen Zuhörern näherbrachte. Bei dieser musikalischen Zeitreise ins Mittelalter von den Anfängen der frühen Gregorianik bis hin zur Neogregorianik wurden Beispiele aus der Zeit Karls des Großen mit römischen und fränkischen wie auch byzantinischen und orientalischen Einflüssen transparent. Antiphonische Concentus-Stile im Proprium-Gesang (Graduale, Offertorium) wechselten mit diatonisch gehaltenen Kirchentonarten ab. Psalmodien und Hymnenmelodik mit oft weitgespannten Tonfolgen auf einer Silbe bis hin zu den Sequenzen als Grundlage der mittelalterlichen Vokalmusik standen im Mittelpunkt des liebevoll zusammengestellten Konzerts. Mit einer freien Improvisation an der Orgel sorgte Harduin Boeven für ein willkommenes instrumentales Intermezzo. | |
LB |
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