Mittwoch, der 28. Januar 2009 | |
Feinfühlig nachempfunden | |
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Die Aufführung von Mozarts großer c-Moll-Messein der Nicolaikirche war spannend wie ein Krimi | |
LIPPSTADT So spannend kann Musik
sein: Wie ein musikalischer Krimi wirkte Harduin Boevens Einstudierung von
Wolfgang Amadeus Mozarts großer c-Moll-Messe mit dem Kammerchor Lippstadt
und dem Göttinger Symphonie Orchester. Zum Glück entschied sich Boeven für
die komplette Neufassung des amerikanischen Pianisten Robert Levin, der
erst vor vier Jahren jenes musikwissenschaftlich rätselhafte
Torso-Fragment Mozarts mit fundierten Ergänzungen anhand von Skizzen sowie
Neukompositionen zu einem stilistisch vielfältigen Monumentalwerk von 90
Minuten erhob.In der vollbesetzten Nicolaikirche begann das Orchester
schon richtungsweisend im Kyrie mit den klassischen chromatischen
Abwärtsbewegungen der Bässe im klagenden Lamento-Gang, ehe nach dem Ruf
der Posaunen der Chor-Introitus für ein feierliches Grave sorgte. Dann das
fast halbstündige Gloria in der Tradition einer Kantatenmesse mit sieben
symmetrisch aufgebauten Einzelsätzen: Vom mächtigem Orchester-Fundament
mit Pauken und Trompeten angespornt, intonierte der stimmlich gut
disponierte Kammerchor in freudestrahlendem Chor-Forte den mächtigen
Gloria-Jubelgesang, vom Dirigenten im straffen Marschrhythmus energisch
forciert.Auch beim mächtigen Credo, insbesondere beim Crescendo im „Crucifixus“ und im resoluten „resurrexit“, gab Harduin Boeven ein forsches Tempo vor - kein Problem für Chor und Orchester. Weitere beeindruckende Höhepunkte des Chores sollten folgen. Dazu gehörten sicherlich der lautstarke Aufruf „Jesu Christe“ als Überleitung zur ebenso gewaltigen Chorfuge „Cum sancto spiritu“, aber auch die kraftvollen Chor-Akkorde im Sanctus und die freudig erregt inszenierte Doppelfuge „Osanna“. Bemerkenswerte Akzente setzte der Chor im „Qui tollis“ als g-Moll-Doppelchor mit schwerster Orchesterbegleitung in breitestem Tempo, besonders eindrucksvoll in der fallenden Chromatik bis hin zur fast atemberaubenden Schluss-Wendung von g-Moll zu Es-Dur. Mit den beiden Sopranistinnen Amani Robinson und Cornelia Fisch sowie Johannes Klüser (Tenor) und Alexander Knop (Bass) rekrutierte sich ein stimmlich ausgewogenes Vokalsolisten-Quartett. Italienisches Flair spürte man im Sopransolo des „Laudamus“ (Cornelia Fisch) sowie im Sopran-Duett des „Domine“ mit feinstem kontrapunktisch-obligatem Streicher-Fundament, aber auch im konzerthaften Terzett des „Quoniam“. Wie ein inniger Weihnachtsgesang erklang Amani Robinsons feinfühlig nachempfundene Sopran-Arie „Incarnatus“. Die Tenor-Arie „et in spiritum sanctum“ kam etwas blass herüber - besonders in den tieferen Tonlagen hätte der Orchestersound hier phasenweise etwas gedämpft werden können. Der imposante Schlussakkord aller Mitwirkenden bei Levins Nachkomposition „Dona nobis pacem“ beendete den spannenden musikalischen Krimi in St. Nicolai und mündete in verdienten Applaus mit Standing Ovations des begeisterten Publikums. | |
LB |
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