Dienstag, der 31. März 2009


Wie ein Paukenschlag

„Stabat Mater“ überzeugte in St. Joseph in einer ungewöhnlichen Besetzung: Die Solopartien übernahmen der Soprano Philipp Mathmann und der Altus Daniel Lager

Unter der Leitung von Harduin Boeven (am Cembalo) sangen Philipp Mathmann (Sopran) und Daniel Lager (Alt) Pergolesis letzte Sakral-Komposition „Stabat Mater“.   Foto: BrodeLIPPSTADT   Selten hat ein Konzert eine derart nachhaltige Wirkung erzielt wie das Passionskonzert in der gut besetzten Pfarrkirche St. Joseph. Im Mittelpunkt stand Giovanni Battista Pergolesis letzte Sakral-Komposition „Stabat Mater“ für Sopran- und Alt-Solostimmen und Streichorchester.Aufgrund der bewusst einfachen Stimmführung im Volkston und seines fast opernhaften Pathos, unterstrichen von intimer Kerzenbeleuchtung im Altarraum der Kirche, wurde dieses Werk dem elegischen (lateinischen) Text voll gerecht. Der besondere Clou bei der Lippstädter Aufführung: Entgegen der heute üblichen Aufführungspraxis wurden die beiden Frauenstimmen wie zu Pergolesis Zeiten durch männliche Vokalsolisten ersetzt. Für den Sopranpart hatte Kantor Harduin Boeven Philipp Mathmann gewonnen. Der Musikstudent absolvierte seine musikalische Ausbildung unter anderem an der Conrad-Hansen-Musikschule in Lippstadt und konzertierte bereits deutschlandweit. Die Alt-Stimme sang der unter anderem in Berlin ausgebildete Countertenor und Opernsänger Daniel Lager.
Bereits die ersten Töne wirkten auf das unbedarfte und zu Recht gespannte Auditorium wie ein Paukenschlag: Effektvoll unterstützt von der in diesem Fall herrlichen Akustik der Kirche, sandten die beiden männlichen Frauenstimmen höchst beeindruckend ihre musikalischen Botschaften in den Kirchenraum.
Klare Diktion, glockenhelle Tongestaltung, resonanzreiches Timbre und höchst expressive und stilsichere Interpretationskunst gehörten zu den besonderen Qualitätsattributen der beiden Sänger. Mit souveränem Gespür verwandelten die beiden Vokalsolisten sowohl in den Arien wie auch im Duett-Gesang die opernhafte Melodik der Partitur in eine intime volkstümlich wirkende Passionsandacht.
Dabei wechselten in spannenden kontrastreichen Klangbögen lebhafte Passagen, etwa beim „Inflammatus“ und im „Amen“-Finale, mit besinnlichen Sequenzen, etwa im Lamento „Christi mortem“, eindrucksvoll miteinander ab.
Das erst im Oktober 2008 neu gegründete kammermusikalische Ensemble Symphonia Nova unter Leitung von Harduin Boeven und Philipp Mathmann sorgte für den adäquaten instrumentalen Background. Hier präsentierte sich ein spielfreudiges Solisten-Sextett, am Cembalo unterstützt von Harduin Boeven.
Im „Vorprogramm“ beschäftigte sich Harduin Boeven mit einigen Passagen aus Joseph Haydns Passionsmusik „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“. Im Haydn-Jahr stellte der begnadete Organist an der Orgel in St. Joseph seine eigene Version vor, indem er den von Haydn autorisierten „Clavierauszug“ mit den zusätzlichen Klangfarben und Harmoniestimmen der Orgel versah. Auf diese Weise erklang mit bewährter Anschlagtechnik in abwechslungsreicher Registerdisposition ein klanglich kontrastreich gewürztes Kaleidoskop.
Das begeisterte Publikum bedankte sich mit spontanen „Standing Ovations.


LB

Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=ty-367889&RESSORT=KULTUR

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