Mittwoch, der 10. Juni 2009


Musikalische Gebete in Demut

Ensemble Cadenza widmete dem englischen Komponisten Henry Purcell ein Konzert

Virtuos gab das Vokalquintett „Ensemble Cadenza“ seinem Publikum einen Einblick in das breitgefächerte musikalische Betätigungsfeld Henry Purcells.    Foto: BrodeLIPPSTADT   Immer häufiger finden sich in wechselnder Besetzung engagierte Mitglieder des Lippstädter Kammerchors, um unter der Regie ihres Magisters Harduin Boeven über das Chorrepertoire hinaus besondere musikalische Programme zu erarbeiten. Unter dem Oberbegriff „Ensemble Cadenza“ vereinten sich jetzt Karin Uhlenbrock und Klaudia Wolf (Sopran), Christiane Theilig (Alt), Lars Baumann (Tenor) und Tim Schreiber (Bass) zu einem wohlklingenden Vokalquintett. Bei der dritten Präsentation eines Komponisten widmete man sich in St. Nicolai dem englischen Tonschöpfer Henry Purcell, der in diesem Jahr seinen 350. Geburtstag feiern würde.Die Musiker gaben einen repräsentativen Einblick in Purcells breitgefächertes musikalisches Betätigungsfeld. So erklang das vierteilige Anthem „I was glad“, das 1685 zur Krönung Jakobs II. aufgeführt wurde, mit dem markanten Schluss-Fugato in beeindruckender Deklamation. Bei der „Geburtstagsode für Queen Mary“ kam die für Henry Purcell typische Verarbeitung des Ritornell-Prinzips effektvoll zur Geltung, während sich Harduin Boeven am Orgelspieltisch in angenehmer Zurückhaltung übte.
Zu den Höhepunkten des Abends gehörten jedoch die Psalmvertonungen, etwa beim lateinisch gesungenen Psalm 3. Bei diesem recht umfangreichen Werk vereinten sich vielfältige Kompositionsstile im Wechsel von Solo- und Tutti-Gesang, begleitet von zahlreichen Taktwechseln. Von zauberhafter Harmonik geprägt erwies sich das Magnificat wie ein demütiges musikalisches Gebet. Der recht angstvolle Charakter im Moll-Ritornell von Psalm 6 wich im letzten Beitrag einem Zuversicht verheißenden Unisono-Gesang im Abendhymnus.
Mit festlich klingenden Trumpet-Tunes im majestätischen Marschrhythmus rahmte Harduin Boeven seine instrumentalen Intermezzi auf der Orgel. Mithilfe zahlreicher vorprogrammierter Register-Kombinationen schuf der Organist mit perfektem Manualanschlag unterschiedliche Klangbilder, vom klagenden Moll-Lamento in abwärts führenden Halbtonschritten im Passacaglia-Thema über ausdruckstarke Variationssequenzen über einen Basso ostinato bis hin zu den beliebten Tanzformen der Barockzeit und einem festlichen Krönungsmarsch in Plein-Jeu-Registrierung mit Trompetendominanz.
Sie bildeten das virtuos gestaltete instrumentale I-Tüpfelchen auf ein liebevoll zusammengestelltes, intim wirkendes Konzert.


LB

Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=aM-377454&RESSORT=KULTUR

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