Mittwoch, der 16. September 2009


Fanfare auf Trichter und Gießkanne

Das Ensemble À Trois präsentierte in St. Nicolai Musik für Trompeten und Orgel - und erläuterte dabei gleich die zum Einsatz kommenden Instrumente und die unterschiedlichen Spieltechniken

Originelle Zugabe: Arno Hartmann (Orgel), Thibaud Robinne (Trichter) und Sebastian Schärr (Gießkanne) spielen Charpentiers „Te Deum“.    Foto: BrodeLIPPSTADT   Am originellsten war die Zugabe: Auf einer Gießkanne und einem Haushalts-Trichter erklang die bekannte Eurovisions-Fanfare (Marc Charpentiers „Te Deum“). Mit diesem musikalischen Gag beendete das Ensemble À Trois ein spektakuläres Konzert in St. Nicolai.Die Trompeten-Virtuosen Thibaud Robinne und Sebastian Schärr, von Arno Hartmann an den Orgeln der Nicolaikirche begleitet, entführten ihren leider nur kleinen Zuhörerkreis in das goldene Zeitalter der Trompete mit Musik aus vier Jahrhunderten. Dabei kamen neben den modernen Piccolo-Trompeten auch historische Instrumente aus der Barockzeit zum Einsatz.
Sebastian Schärr betätigte sich zugleich als Moderator und erklärte zum besseren Verständnis die unterschiedlichen Spieltechniken der Instrumente. Für die Musik aus dem 17. Jahrhundert wählten die Künstler zu Beginn die modernen Piccolo-Trompeten bei der Interpretation des ursprünglich für Streicher komponierten Trompeten-Arrangements von Petronio Franceschini. Bei Händels D-Dur-Suite sorgten dann die Barocktrompeten für einen festlich-majestätischen Sound.
Für diese barocke Umrahmung des Konzertes wählte das Trio die Orgel-Empore unter Nutzung der großen Orgel, während die Exkursionen in die romantische und zeitgenössische Epoche im Altarraum stattfanden.
Die zeitgenössischen Ton-Collagen „Paths“ des japanischen Komponisten Toru Takemitsu wirkten eigentlich noch recht klassisch: Solist Sebastian Schärr setzte bei seinem Dialog mit zwei verschiedenen Klangfarben auch den Schalldämpfer ein und bewirkte damit eine verblüffende Laut-Leise-Wellendynamik. Die Barocktrompete von Thibaud Robinne erzeugte bei Vivianis Sonate einen reichen Klang in verschiedenen Temposchattierungen und wohldosierter Tonstärke. Bei Bachs Choralvorspiel „Jesu bleibet meine Freude“ setzte der Künstler das eher aus der Jazz-Szene bekannte Flügelhorn für die Melodieführung ein. Hier beeindruckte der warme dunkle Klang des Instruments.
Bei Giuseppe Verdis Adagio präsentierte Sebastian Schärr eine restaurierte F-Trompete von 1880. Dieses Instrument, dessen Tonlage eine Quinte tiefer liegt als bei den modernen Instrumenten, sorgte für eine melodiös wirkende, rhythmisch betonte Deutung. Organist Arno Hartmann dokumentierte seine hochgradige Virtuosität als Solist an den Orgeln der Nicolaikirche mit brillanter Anschlagtechnik und grandiosen Pedalsoli bei Johann Sebastian Bachs F-Dur-Toccata.
Bei der eher romantisch komponierten zeitgenössischen Orgelsuite von Denis Bedard bewegte sich der Solist im Grand-Jeu-Spiel weitgehend noch im tonalen Bereich. Auch das Orgelwerk von Naji Hakim wies viele harmonischen Elemente auf, die im feurig-rasanten schillernden Finale des Orgel-Tuttis ihren furiosen Abschluss fanden.


LB

Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=PT-389053&RESSORT=KULTUR

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