Dienstag, der 17. November 2009


Klassik trifft Salonmusik

Das Nordwestdeutsche Kammerensemble präsentierte im Nicolaiheim das ungewöhnliche Programm „Von Bach bis Boogie“

Das Nordwestdeutsche Kammerensemble begeisterte mit einem Konzert von Bach bis Boogie.    Foto: BrodeLIPPSTADT   „Von Bach bis Boogie“, so lautete der sinnige Titel eines Kammerkonzertes im Probensaal des Nicolaiheims. Nicht nur die überschaubare Zuhörerschar fühlte sich wie eine Familie. Auch das international renommierte Nordwestdeutsche Kammerensemble präsentierte sich nahezu als Familie: Hansdieter Meier, Moderator und Spiritus Rector auf der Violine, wurde von seinem Vater Hans Meier am Violoncello unterstützt, während seine Mutter Inge Sauer am Flügel oft recht temperamentvoll für den adäquaten rhythmischen Drive sorgte.Ergänzt wurde das Quartett durch Gunilt Gehl auf der Viola. Mit einer eigentümlichen Programm-Zusammenstellung begann das Ensemble den klassischen Teil des Konzerts: Ein viersätziges Klavierquartett mit den Sätzen Allegro, Rondo, Andante und Allegro Vivace, allerdings von vier verschiedenen Komponisten. Dies entsprach einer durchaus gängigen Praxis in der Entstehungszeit der Werke, wie Hansdieter Meier erläuterte.
Bei dieser ungewöhnlichen Zusammenstellung wurde das Quartett mit erlesenen Raritäten fündig. Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Allegro dominierte die Pianistin mit virtuosen Sequenzen insbesondere bei der Solokadenz. Das resolut angegangene Rondo von Johann Christian Bach zeugte mit seinen zahlreichen Rokoko-Verzierungen vom Divertimento-Geist jener Zeit.
Ein zauberhafter voller Weichklang des Streichtrios vor den Modulationen des Pianos faszinierte bei der mit viel Einfühlungsvermögen umgearbeiteten Andante-Fassung des ursprünglichen Bläserquartetts von Ludwig van Beethoven.
Im Finalsatz ging es bei Felix Mendelssohn Bartholdys Allegro Vivace bei der Entwicklung eines kraftvollen Klangfundaments erwartungsgemäß, besonders auf dem Flügel, recht lebhaft zu.
Der zweite Teil des Konzertes gehörte der heiteren Muse: Fröhlich interpretierte Salonmusik als populäre Form der Kammermusik der dreißiger Jahre mit typischen Charakterstücken und Evergreens aus der goldenen Tonfilmzeit.
Melodie und Rhythmus bildeten hier eine schwungvoll-heiter inszenierte Symbiose stimmungsvoller und unwillkürlich mitreißender Musik, die vom ständigen Rhythmuswechsel lebte: Von Walzer-Paraphrasen über Foxtrott und Tango, ungarischen Cs
árdás, Paso Doble und Shuffle-Boogie bis hin zu sensiblen Gedichtvertonungen war rhythmisch nahezu alles dabei. Sogar Eigenkompositionen ergänzten die eigens für diese Besetzung arrangierten Bearbeitungen.
Die Musiker waren mit spürbarer Begeisterung bei der Sache. Und dem Publikum gefiel´s auch.


LB

Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=PX-397244&RESSORT=KULTUR

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