Dienstag, der 8. Dezember 2009 | |
Gewaltiges Klangerlebnis | |
| Die begeisterten Zuhörer feierten die „Messias“-Aufführung zum 125-jährigen Jubiläum des Chores an St. Nicolai mit Standing Ovations | |
LIPPSTADT
Das war gewaltig: Georg Friedrich Händels
Barock-Oratorium „Der Messias“ im klassischen Gewand. Mit der
„moderneren“ Fassung von Wolfgang Amadeus Mozart hat sich der Chor an
St. Nicolai zu seinem 125-jährigen Bestehen selbst ein wundervoll
klingendes Musikevent geschenkt. Auch der Kammerchor Lippstadt war an
diesem Jubiläumskonzert, der klingenden Krönung des Patronatsfestes am
Nikolaustag, aktiv beteiligt.Lange haben die Chöre unter Leitung von
Kantor Harduin Boeven für dieses Mammutprojekt geprobt. Herausgekommen
ist dabei ein spannungsgeladenes Epos auf musikalisch hohem Niveau.
Soli und Chöre wechselten sich in meisterhaft ausgewogener
Architektonik ab, wobei die im Vergleich zu Händels Original üppige
Mozart´sche Instrumentierung die musikalische Spannung fast explosiv zu
steigern vermochte - ein Verdienst des überaus spielfreudig agierenden
Göttinger Symphonie-Orchesters, das nicht nur souverän im homogenen
Streichersound wirkte, sondern insbesondere auch im Bläserensemble mit
lupenreinem Sound zu faszinieren wusste.Die musikalische Erzählung vom Leben Jesu von der Freude bei der Geburt über die Passion bis hin zur verheißungsvollen Auferstehung und Himmelfahrt lebte von ihren klanglichen Kontrasten in unterschiedlichen Stimmungen. Immer wieder wusste Harduin Boeven Chor und Orchester zu spontan gesteigerten Höchstleistungen zu motivieren. Das ging nahezu Schlag auf Schlag nach der Pause im überaus lebhaft apostrophierten zweiten Teil des Konzertes. Wie ein gewaltiger Paukenschlag wirkten die trompetenverstärkten mächtigen Allegro-Chorsätze „Halleluja“ und „Die Herrlichkeit Gottes“. Zu den Höhepunkten gehörten komplizierte Chorsätze wie der dreiteilige majestätisch wirkende Schlusschor mit dem gesteigerten Fugato-Mittelteil und das mächtig verklingende „Amen“, um nur einige beeindruckenden Fixpunkte herauszugreifen. Auch das ausgezeichnete Quartett der Vokalsolisten passte sich in den Rezitativen und Arien den musikalischen Stimmungen adäquat an: Amani Robinson (Sopran) brillierte als Verkündigungsengel mit frohlockendem Timbre. Sonja Koppelhuber setzte mit ihrem Mezzosopran teils auf schmerzvolle, dunkle Klangfarben besonders im zweiten Teil. Mit herrlichen Koloraturen bei den Tenor-Arien begeisterte Reinhart Ginzel. Bariton Raimund Fischer setzte das resonanzreiche i-Tüpfelchen. Kaum war das letzte Fortissimo-Tutti von Solisten, Chor und Orchester verklungen, dokumentierte das Auditorium in der vollbesetzten Kirche mit spontanen Standing Ovations und minutenlangem Applaus seine Ergriffenheit und Begeisterung für dieses hochwertige Musikerlebnis. | |
LB |
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