Dienstag, der 22. Dezember 2009 | |
Erstaunliche Leichtigkeit | |
| Der Soprano Philipp Mathmann und der Altus Stefan Vogel-Hudasch sangen in St. Josef | |
LIPPSTADT
Es ist diese warme volle Sopranstimme, die so
eindringlich ist und die die Luft zu zerschneiden scheint. Und genau
dahinein mischt sich ein weicher Alt-Ton. Von der Orgelempore aus
schwappen die Töne in den Raum der Lippstädter Josefskirche. Sie sind
feierlich, barock verspielt und ungewöhnlich.Denn es sind zwei Männer,
die die Sopran- und Altpartien singen: Philipp Mathmann (Soprano) und
Stefan Vogel-Hudasch (Alt) übernehmen die Rollen, die im Barock
überwiegend den Kastraten vorbehalten waren und die heute in den Opern-
und Konzerthäusern die Frauen singen, es sei denn, es handelt sich um
populäre Countertenöre wie beispielsweise Jochen Kowalski oder Jörg
Waschinski.Nun hat es zwei sehr junge Countertenöre zum Adventskonzert in die Josefskirche nach Lippstadt verschlagen. Kompositionen des Barock haben der gebürtige Geseker Philipp Mathmann und der aus Paderborn stammende Stefan Vogel-Hudasch für ihr Konzert ausgewählt. Begleitet hat sie an der Orgel Harduin Boeven. Auf dem Programm stehen Kompositionen wie Georg Friedrich Händels Alt-Arie „O thou that tellest good tidings to zion“, Georg Philipp Telemanns Sopran-Arie „Komm Jesu“ und Jan Dismas Zelenkas „Magnifikat in D“. Auch Duette für Solo- und Altstimmen nehmen Mathmann und Vogel-Hudasch in ihr Konzertprogramm auf. Erstaunlich ist, mit welcher Leichtigkeit und Natürlichkeit der gerade einmal 23-jährige Mathmann die Sopran-Partien meistert. Seine helle Stimme bewegt sich klar und sauber durch die Koloraturen, als ob er nie etwas anderes tun würde. Den Tönen lässt er Raum, um sich zu entfalten. Gefühlsbetont und angenehm flaumig weich sind seine Interpretationen. Bei Vogel-Hudasch ruckelt hingegen anfangs die Alt-Stimme. Es dauert eine geraume Zeit bis sie geschmeidig wird und nicht mehr so gewollt angestrengt wirkt. In den besten Momenten des Konzerts ist seine Stimme sanft. Sie windet sich durch die unterschiedlichsten Tonlagen. Dabei führt er seine Stimme durch die Partitur. Ausgelassen überschwänglich ist sein Gesang nie. Harduin Boeven rundet das Konzert mit einigen Orgel-Solostücken ab. Nikolaus Bruhns´ „Nun komm der Heiden Heiland“ gehört ebenso dazu wie Dietrich Buxtehudes Toccata in d-Moll. Mit einzelnen kraftvollen Tonfolgen eröffnet der Organist Buxtehudes Toccata. Wellenartig wabert die Musik durch den Kirchenraum. Festlich ist sie, und sie bringt in Boevens Interpretation die für den Barock typische Bombastik mit sich. Ein unvergesslicher Abend ist aus diesem Adventskonzert geworden. | |
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