Dienstag, der 26. Januar 2010 | |
Ein Jazzer namens Bach | |
| Das Quintessence Saxophone Quintet und Harduin Boeven verblüfften das Publikum in der Nicolaikirche erneut mit ihren unkonventionellen Barock-Interpretationen | |
LIPPSTADT
Wenn sich die Königin der Instrumente, die Orgel,
mit dem König der Instrumente, dem Saxophon in gleich fünffacher
Besetzung in verschiedenen Stimmlagen, vereint, ist der Hörgenuss
nahezu überwältigend. Die in Lippstadt bereits bestens bekannten
Musiker des Quintessence Saxophone Quintet verblüfften die erstaunlich
zahlreichen Konzertfreunde in der Nicolaikirche erneut mit ihrem
unkonventionellen Bläsersound, für das krönende i-Tüpfelchen sorgte
Harduin Boeven an der elektronischen Orgel.Offenbar hatten alle
Mitwirkenden einen Riesenspaß beim Musizieren. So lebendig kann
Barockmusik sein: Rhythmisch bewegt und schwungvoll, oft auch jazzig
und improvisatorisch und musikalisch witzig zündeten Organist und
Saxophonisten reichlich musikalischen Sprengstoff mit eingelagerten
sentimentalen Sequenzen und elegischer Klangpoesie. Zusammen mit dem
üppigen Registerplenum, das Harduin Boeven auf der Orgel disponierte,
errichtete das Ensemble oft ein strahlendes Fortissimo-Klanggebäude mit
wirkungsvollen, von der Kirchen-Akustik unterstützten Echo-Effekten.Man hat die bekannten Kompositionen der Barockliteratur allesamt schon mal in ihrem Original gehört, jedoch wohl kaum in der ungewöhnlichen Transkription für Saxophon-Quintett. So erstrahlte Johann Sebastian Bachs berühmte Orgel-Toccata d-Moll noch in Harduin Boevens schillernder Interpretation auf der Orgel, doch bei der Fuge mischten die Bläser kräftig mit und faszinierten in der herrlichen Verschlingung der polyphonen Linien mit einem eindrucksvollen jazzigen Arrangement. In die gleiche Kerbe schlugen die Bläser beim Arrangement von Bachs dreisätzigem Cembalokonzert mit der besinnlichen Klangoase im Mittelteil. Düstere Moll-Dramatik im Stile von Tomaso Albinoni lag dem bekannten Adagio zugrunde. Jazzige Elemente gab es bei den Wintermotiven und Sommer-Impressionen nach Händels „Vier Jahreszeiten“. Bachs „Kleine Fuge e-Moll“ gehört seit vielen Jahren zu den Lieblingsstücken des Quintetts. Nach einem recht rasanten Ausflug ins 20. Jahrhundert mit Kai Niedermeiers Arrangement über das bekannte „Tatort“-Motiv verabschiedeten sich die Künstler mit Händels gewaltigem „Hallelujah“ und Beethovens „Ode an die Freude“ als Zugaben von ihrem Publikum, das sich seinerseits mit Standing Ovations bedankte. | |
LB |
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