LIPPSTADT
Sie nennen sich Symphonia nova, spielen aber vorwiegend alte Musik des
18. Jahrhunderts: Die jungen Musikstudenten des erst 2008 gegründeten
Kammermusikensembles unter Leitung von Harduin Boeven begeisterten nach
ihrer Lippstadt-Premiere in St. Joseph im März 2009 ihr Publikum auch
in der Nicolaikirche mit erlesenen barock-klassischen Klangperlen in
ungewöhnlicher Quintettbesetzung. Pfarrer Karl-Heinz Peter freute sich,
dass der Auftakt der „Musik in St. Nicolai“ als Benefizkonzert
angeboten wurde, mit dem die jungen Musiker das Unicef-Hilfsprojekt für
unbegleitete Kinder in der Krisenregion Haiti unterstützen.Zum Auftakt
hatte sich das Ensemble mit der „Salve-Regina“-Komposition von Nicolo
Porpora eine klangedle Rarität ausgesucht. Der besondere Clou: Entgegen
den heutigen Gepflogenheiten wurden die beiden Frauenstimmen analog zur
damaligen Aufführungspraxis durch männliche Vokalsolisten ersetzt.
Für den Sopranpart stand wieder Philipp Mathmann, der Mitbegründer des
Ensembles, mit seiner glockenhellen, fest konturierten Stimme zur
Verfügung. Als stimmlich ebenbürtiger Partner für den Altus-Part erwies
sich der Countertenor und Opernsänger Daniel Lager.
Sowohl bei den Solo-Arien, ganz besonders aber im hochgradig
beeindruckenden Duett-Gesang erreichten die wirkungsvoll in den
Kirchenraum entsandten musikalischen Botschaften ihre faszinierten
Zuhörer auf unmittelbare Art. Klare Diktion, disziplinierter
Vortragsstil, resonanzvolles Timbre und höchst expressive wie
stilsichere und einfühlsame Interpretationskunst gehörten zu den
außergewöhnlichen Qualitätsattributen der beiden Vokalsolisten.
Als äußerst feinfühlig und sensibel empfundenes Instrumental-Intermezzo
erwies sich das „Adagio in Sol Minore“ von Tomaso Albinoni. Das
wirkungsvolle Tonmonument der Streicher vor dem rhythmischen Background
der gezupften Bass-Instrumente wurde an der obligaten Orgel durch
Harduin Boeven in angenehmer Zurückhaltung adäquat ergänzt.
Ein zauberhaftes Melos durchpulste die Kirche auch diesmal wieder bei
Pergolesis berühmter Passionsmusik „Stabat mater“, die, wie vor
Jahresfrist, in spontane Standing Ovations des begeisterten Publikums
mündete. Diese Musik hätte eigentlich ein volles Haus verdient gehabt -
die Kirche war indes nur halb gefüllt. Offenbar war die Terminwahl
angesichts vieler konzertanter Parallel-Veranstaltungen bei den
Lippstädter „Tagen der Chor- und Orchestermusik“ wohl nicht gerade
glücklich. Schade für die Kinder von Haiti.
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