Dienstag, der 16. März 2010


Feinfühlig und sensibel

Benefizkonzert für Haiti bot außergewöhnliches Klangerlebnis

Unter Leitung von Harduin Boeven (Cembalo) sangen Daniel Lager (l.) und Philipp Mathmann in St. Nicolai Sakralwerke des 18. Jahrhunderts. Begleitet wurden sie von dem Streichquintett Symphonia nova. Foto: BrodeLIPPSTADT   Sie nennen sich Symphonia nova, spielen aber vorwiegend alte Musik des 18. Jahrhunderts: Die jungen Musikstudenten des erst 2008 gegründeten Kammermusikensembles unter Leitung von Harduin Boeven begeisterten nach ihrer Lippstadt-Premiere in St. Joseph im März 2009 ihr Publikum auch in der Nicolaikirche mit erlesenen barock-klassischen Klangperlen in ungewöhnlicher Quintettbesetzung. Pfarrer Karl-Heinz Peter freute sich, dass der Auftakt der „Musik in St. Nicolai“ als Benefizkonzert angeboten wurde, mit dem die jungen Musiker das Unicef-Hilfsprojekt für unbegleitete Kinder in der Krisenregion Haiti unterstützen.Zum Auftakt hatte sich das Ensemble mit der „Salve-Regina“-Komposition von Nicolo Porpora eine klangedle Rarität ausgesucht. Der besondere Clou: Entgegen den heutigen Gepflogenheiten wurden die beiden Frauenstimmen analog zur damaligen Aufführungspraxis durch männliche Vokalsolisten ersetzt.
Für den Sopranpart stand wieder Philipp Mathmann, der Mitbegründer des Ensembles, mit seiner glockenhellen, fest konturierten Stimme zur Verfügung. Als stimmlich ebenbürtiger Partner für den Altus-Part erwies sich der Countertenor und Opernsänger Daniel Lager.
Sowohl bei den Solo-Arien, ganz besonders aber im hochgradig beeindruckenden Duett-Gesang erreichten die wirkungsvoll in den Kirchenraum entsandten musikalischen Botschaften ihre faszinierten Zuhörer auf unmittelbare Art. Klare Diktion, disziplinierter Vortragsstil, resonanzvolles Timbre und höchst expressive wie stilsichere und einfühlsame Interpretationskunst gehörten zu den außergewöhnlichen Qualitätsattributen der beiden Vokalsolisten.
Als äußerst feinfühlig und sensibel empfundenes Instrumental-Intermezzo erwies sich das „Adagio in Sol Minore“ von Tomaso Albinoni. Das wirkungsvolle Tonmonument der Streicher vor dem rhythmischen Background der gezupften Bass-Instrumente wurde an der obligaten Orgel durch Harduin Boeven in angenehmer Zurückhaltung adäquat ergänzt.
Ein zauberhaftes Melos durchpulste die Kirche auch diesmal wieder bei Pergolesis berühmter Passionsmusik „Stabat mater“, die, wie vor Jahresfrist, in spontane Standing Ovations des begeisterten Publikums mündete. Diese Musik hätte eigentlich ein volles Haus verdient gehabt - die Kirche war indes nur halb gefüllt. Offenbar war die Terminwahl angesichts vieler konzertanter Parallel-Veranstaltungen bei den Lippstädter „Tagen der Chor- und Orchestermusik“ wohl nicht gerade glücklich. Schade für die Kinder von Haiti.


LB

Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=Po-411777&RESSORT=KULTUR

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