Dienstag, der 30. Januar 2007


 


Interpreten boten Höchstleistungen


Die Zuhörer in St. Nicolai erlebten den „Elias“ als packendes und ergreifendes Musikdrama


Der Kammerchor Lippstadt, der Chor an St.Nicolai und das Göttinger Symphonie-Orchester boten unter der Leitung von Harduin Boeven (l.) Höchstleistungen.    Foto: BrodeLIPPSTADT   So spannend kann Musik sein: Wohl selten erlebte die Nicolaikirche ein solch packendes und ergreifendes Musikdrama. Das monumentale Oratorium „Elias“, Felix Mendelssohn Bartholdys wichtigstes Sakralwerk der Romantik, stellt mit seinem musikalischen Anliegen höchste Anforderungen an die Interpreten. Das Wagnis der Interpretation ist indes geglückt: Die hautnahe Entwicklung der fast opernhaften großflächigen Dramatik hätte wirkungsvoller kaum inszeniert werden können. Solisten, Chöre und Orchester steigerten sich zu brillanten Höchstleistungen.Allein die Chöre haben einen Mammutanteil zu bewältigen. Hier hat sich die akribische Probenarbeit bezahlt gemacht. Harduin Boeven hatte seine Vokalisten, den Lippstädter Kammerchor mit Solisten sowie den Chor an St. Nicolai, bestens vorbereitet, so dass die tückischen Hürden der Partitur keine Probleme bereiteten.
Es ist schier unmöglich, die Fülle der interpretatorisch erreichten Höhepunkte zu bewerten. Zweifellos gehören die erregenden Volksszenen dazu: „Aber der Herr sieht es nicht, er spottet unser“ — ein gewaltiger Aufschrei in leidenschaftlicher Chordeklamation im lebhaft-hastenden Presto-Vivace sowie die machtvollen achtstimmigen Rufe der Baalspriester, exakt intoniert und minutiös abgesetzt. Von hochdramatischer Prägung beseelt, gelang der Feuerchor im hastigen Fortissimo.
Die fast marschartige Thematik in einem der machtvollsten Chorsätze Mendelssohns, „Dank sei dir Gott“, die in eindrucksvollen Crescendi-Klangbögen differenziert und ausgefeilt gestaltete Szene „Der Herr ging vorüber“ bis hin zum strahlenden Chor-Forte (Seraphim) vor dem instrumentalen Background des Orchesters gehörten zu den weiteren effektvollen Höhepunkten, die sich im Finale im achtstimmigen Jubelchor und in der strahlenden Schlusschorfuge („Herr unser Herrscher“) in gewaltiger Steigerung zur erhabenen Krönung des Werkes entluden.
Zur zweiten musikalisch dominierenden Säule des Geschehens gedieh die Solopartie der Hauptfigur Elias, ebenso dramatisch wie stimmgewaltig verkörpert von Markus Krause. Sein resonanzreicher, raumfüllender Bariton vereinte hervorragende stimmliche Qualitäten mit szenischer Gestaltungskunst. Zu seinen solistischen Höhepunkten gehörte die großartige Arie „Es ist genug“. Selbst der leidenschaftlich gesteigerte Mittelteil der Arie vermochte die dumpfe Resignation des müden Propheten nicht zu verändern.
Das Engel-Terzett lieferte in edlem A-cappella-Gesang den anschließenden Klangkontrast und brachte die Innigkeit der Mendelssohnschen Tonsprache vollendet zum Ausdruck.
Breiter Raum wird im Oratorium den lyrischen Betrachtungen eingeräumt — eine überaus dankbare Aufgabe für das Terzett der Vokalsolisten Julia Heße (Sopran), Stephanie Firnkes (Alt) und Joachim Keuper (Tenor). Die teilweise von ergreifender Schlichtheit beseelten Arien und Rezitative sorgten besonders im zweiten Teil für ergreifende Klangoasen der Ruhe und Besinnlichkeit.
Auch mit der Verpflichtung des Göttinger Symphonie-Orchesters hatte Harduin Boeven einen guten Griff getan: Die Instrumentalisten, von Christian Göcke Goos an der Orgel komplettiert, überraschten mit einem geschmeidigen, dynamischen Orchestersound, der sich analog zum biblischen Geschehen zuweilen ebenfalls zu brillanten Höchstleistungen zu steigern vermochte und dramatische Akzente zu setzen wusste.
Standing Ovations und Bravo-Rufe honorierten die musikalischen Glanzleistungen der Interpreten.


LB

 


Quelle: http://www.DerPatriot.de/index.php?content=lokal_artikel&ID=Po-259128&RESSORT=KULTUR


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